Streckenvogel
Dokumentation stillgelegter Eisenbahnstrecken
von Dennis Köthur

Hasetaldraisine – Draisinenstrecke zwischen Fürstenau und Quakenbrück über Nortrup

Bahnstrecke Nr. 2273 zwischen Duisburg und Quakenbrück über Rheine

auf einer Hochgeschwindigkeitsstrecke Draisine fahren-
das ist in der Ferienregion Hasetal, auf der Bahntrasse zwischen Fürstenau und Quakenbrück möglich.

Bahntrasse seit 1998 stillgelegt

Die Eisenbahnstrecke zwischen Rheine und Quakenbrück ist seit über zwanzig Jahren stillgelegt und nur noch auf wenigen Kilometern im Bereich Rheine in Betrieb. Auf diesen verbliebenen zehn Kilometern rollen auch noch im Jahr 2020 etliche Güterzüge zum Hafen Spelle oder zur Maschinenfabrik Bernand Krone (Landmaschinen). Zugleich zweigt im Bahnhof Altenrheine die Güterzugstrecke bzw. die „Tecklenburger Norbahn“ nach Osnabrück ab.

Auf dem folgenden Abschnitt ab Spelle bis Fürstenau wurden im Jahre 2015 die Gleise demontiert, da später ein Radweg angelegt werden soll. Vor dem Gleisabbau gab es noch ein Moratorium. Dabei wurden über 60 Bahntrassen ohne Personenverkehr innerhalb Niedersachsens auf die ggf. heutige Nutzung hin geprüft und wie etwa im Fall der Trasse zwischen Bad Bentheim und Neuenhaus, auch wieder für ÖPNV reaktiviert.

Bereits zum 02. Juni 1969 kein Personenverkehr

Das überhaupt noch die Gleisanlage bis dato vollständig erhalten bliebt, ist unter anderem der im Jahre 1959 errichteten "Pommernkaserne" in Fürstenau geschuldet. Diese wurde im Jahre 2007 geschlossen. Bereits gegen 1996 endete der restliche Güterverkehr auf dem Streckenabschnitt zwischen Spelle und Quakenbrück.

Der Personenverkehr wurde bereits im Sommer 1969 eingestellt, anschließend gab es aber noch regelmäßig Sonderfahrten mit Tourismus- oder Schülersonderzügen. So auch zuletzt im Jahre 1989 nach Westerland.

Draisinenfahrten ab dem Jahr 2000

Wenige Jahre nach der vollständigen Betriebsaufgabe, bzw. im Jahr 2000 gab es die ersten Draisinenfahrten auf der fast geraden Strecke, woraus ab dem Jahr 2004 der reguläre Draisinenbetrieb hervorging.
Nun ist es jeweils ab den beiden Draisinenbahnhöfen in Fürstenau oder Bippen möglich, mittels Fahrraddraisine die Gegend der „Bippener Berge“ zu erkunden. Die etwa acht Kilometer lange Draisinenstrecke weist kaum Steigungen auf, zudem kann eine E-Draisine mit Fahrunterstützung gebucht werden. Des weiteren verfügt der Draisinenpark über mehrere Club- bzw. Gesellschaftdraisinen, auf denen 8 bis zu 19 Personen von Bippen nach Nortrup fahren können. Die jeweiligen Abfahrtzeiten sind auf der Haseltaldraisine vermerkt bzw. zu buchen. Für die Sportler kann auch optional eine Handhebeldraisine gebucht werden.

Auf dieser Haseltaltourismus Webseite kann ebenfalls die Draisine zwischen Quakenbrück und Nortrup gebucht werden. Eine Draisinenfahrt lässt sich auch ideal mit der Besichtigung von der Umgebung in der Ferienregion Hasetal ergänzen. So gibt es etwa die Schloßanlage in Fürstenau oder die zahlreichen Naturdenkmale, wie die Hünengräber der Region Ankumer Höhe und Artland. In beiden Orten sind auch mehrere Gastronomiebetriebe für eine Pause vorhanden. PKW Parkplätze sind ebenfalls vorhanden, ansonsten sind auch alle Draisinenbahnhöfe über Lingen oder Quakenbrück per Omnibus erreichbar.

Einstige Planung Hochgeschwindigkeitstrasse

Einstmals gab es sogar fertige Planungen, diese Bahnstrecke als Hochgeschwindigkeitsstrecke mit bis zu 350 km/h aufzurüsten. Diese Pläne der „Eisenbahnversuchsanlage Rheine – Freren“ wurden trotz erster Bauarbeiten Anfang 1980 eingestellt, als stattdessen die Neubaustrecke zwischen Hannover und Würzburg mit Erprobungsbereich bei Burgsinn gebaut wurde.

Ansonsten war dieser Streckenabschnitt durch den nahezu geraden Trassenverlauf, im kaum besiedelten Landschaftsbereich bestens geeignet. Das gesamte Bauvorhaben umfasste drei größere Maßnahmen, unter anderem eine Elektrifizierung und Beseitigung aller Bahnübergänge. Dazu eine Optimierung der Gleisbögen durch Ausnutzung des gesamten Bahndamms vom Bereich der vorgesehenden zweiten Gleisanlage. Später sollten noch verschieden Schienenoberbau Varianten erstellt werden, insbesondere zum Test einer Festen Fahrbahn aus Beton.

Kürzeste Verbindung zwischen Nordsee und Ruhrgebiet

Es war eigentlich auch ein zweigleisiger Bahnbau im Jahre 1870 von der „Rheinischen Eisenbahngesellschaft (RhE)“ geplant, aber aus Rentabilitätsgründen wurde dies 1879 bei der Inbetriebnahme erst vorbereitet. Nach dem ersten Weltkrieg war durch das Verbot vom Versailler Friedensvertrag die Verlegung vom zweiten Gleis unzulässig.
Gleichwohl rollten etliche Kriegsgüter über diese insgesamt 179 km lange Trasse, insbesondere nach St. Arnold zur einstigen Munitionsanstalt. Auch eine vorbereitete Zweigstrecke von Rheine nach Salzbergen kam aufgrund der Verstaatlichung ebenfalls nicht zur Fertigstellung.

Radweg auf einstiger Güterbahn

Auf einem Teilabschnitt zwischen Coesfeld bzw. Lutum und Dorsten fährt zwar noch der Personenverkehr, aber ab km 65 / Lutum ist bis Rheine bereits seit dem Jahr 2011 ein Radweg (RadBahn Münsterland bzw. Schlossallee Radweg Rheine – Coesfeld) angelegt.

Das diese Bahnanlage für den Frachtverkehr geplant wurde, lässt sich auch am direkten Verlauf von den Seehäfen - über die "Oldenburger Südbahn" - zum Ruhrgebiet ablesen.
Die dazu einst Parallel verlaufende Kleinbahn Lingen - Berge - Quakenbrück oder die abgebaute Bahnstrecke von Ochtrup nach Rheine, waren hingegen zur Erschließung der Gegend. Deshalb waren auch die meisten Bahnhöfe abseits der Ortskerne errichtet, wie etwa in Beesten oder Freren.

Streckenkarte zur Gesamtstrecke

Bildergalerie der Draisinenstrecke

Draisinenfahrt von Bippen nach Nortrup Moorweg im August 2020 mit E-Draisine Bauart Bippen

Draisinen Kollektiv mit Guido Seidlitz, Jens Brumann, M. Emser und Dennis Köthur

Draisinenfahrt von Fürstenau nach Bippen im August 2020 mit E-Draisine Bauart Bippen

Draisinen Kollektiv mit Guido Seidlitz, Jens Brumann, M. Emser und Dennis Köthur

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