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Überwaldbahn

Strecke Nr. 3579 von Mörlenbach nach Wahlen (im Vorderen Odenwald) über Wald-Michelbach

Schon vor 1860 existierten diverse Planungen zu Eisenbahnstrecken durch den Odenwald. Konkret ergab sich dann neben der „Odenwaldbahn“ (Hanau - Eberbach), die ab 1890 startenden Vermessungsarbeiten für den Bau der fünf Jahre später eröffneten „Weschnitztalbahn“ von Weinheim nach Fürth (welche später Anschluss an die Odenwaldbahn bei Erbach bekommen sollte).

Zur weiteren Erschließung des Odenwalds wurde ab 1898 die „Überwaldbahn“ vom Keilbahnhof Mörlenbach, durch die Kreidacher Höhe nach Wahlen (heute Gemeinde Grasellenbach) erbaut. Trotz der zahlreichen Bauwerke, konnte bereits zum 01.03.1901 die etwa 16 km lange Bahnstrecke eröffnet werden. Durch den topographisch bergigen Odenwald - weshalb die Trasse im Volksmund auch „Überwaldbahn“ genannt wird, da der Blick „überm Wald“ erfolgt - wurden zwei Tunnel und vier Viadukte notwendig, welche heutzutage die sehenswerten Denkmalanlagen der Strecke darstellen. Der längere Waldmichelbacher Eisenbahntunnel durchquert mit insgesamt 679 Meter Länge die Kreidacher Höhe und ist wegen der aktuellen Draisinennutzung sogar beleuchtet.

Nach der Gesamtverkehrseinstellung im Jahre 1994 (der Personenverkehr wurde schon 1983 beendet), sind - bis auf den bereits 1985 demontierten Abschnitt von Unter-Wald-Michelbach nach Wahlen - die Gleisanlagen aufgrund des Denkmalschutzes verblieben. In den folgenden zwanzig Jahren ohne Nutzung wurden verschiedene Varianten entwickelt; von Museumsbahnbetrieb, über einen Radweg, bis hin zur Reaktivierung, wurden unterschiedliche Maßnahmen in Betracht gezogen. Der circa 5 Km demontierte Restabschnitt ist bereits seit 2001 Radweg, was derzeit eher gegen eine Personenverkehrsreaktivierung spricht. Im Güterverkehr besteht aktuell kein Bedarf, da die bis 1994 per Bahn bediente Firma Coronet den Standort verlassen hat. Somit ergab sich ab 2009 eine ideale Lösung mit der Draisinenstrecke: die Bahnstrecke bleibt mit ihren markanten roten Sandsteinviadukten erhalten und wird weiterhin genutzt, die Möglichkeit einer Reaktivierung ist damit weiterhin gegeben.

Dass sich die Nachfrage auf Nebenbahnen über die Jahre ändern kann, ist am Beispiel der benachbarten „Weschnitztalbahn“ zu beobachten – dank Modernisierung und Taktverdichtung wird der Zug wieder rege genutzt. Auch zur Anreise an die Draisinenbahn-Station in Mörlenbach bietet sich der Zug hervorragend an; von Darmstadt und Mannheim schon in circa einer Stunde.

Die seit dem Jahr 2013 angebotenen Solardraisinen sind bisher in Deutschland einzigartig, da diese elektrisch angetrieben und mit nahezu 100% Solar- und Ökostrom aufgeladen werden. So können bis zu acht Personen (oder 840 kg Zuladung) mühelos die steigungsreiche Überwaldbahn nach Wald-Michelbach bereisen. Die kurvenreiche und zehn Kilometer lange Eisenbahnstrecke ist mit den innovativen Solardraisinen in etwa einer Stunde befahren. Ein Fahrer auf dem vorderen Sitzplatz steuert die 7,2 PS starke Draisine mit den Tretpedalen an, wobei die Geschwindigkeit aus Sicherheitsgründen auf 15 km/h begrenzt ist. Die weiteren Fahrgäste können derweil - mit dem „Klang der Eisenbahn“ beim Rattern der Schienenstöße - die abwechslungsreiche Landschaft genießen und mit den weiteren Tretpedalen zusätzlich Energie für den Antrieb erzeugen. Das große Solarzellendach aller 26 Draisinen bietet dabei einen guten Wetterschutz und ermöglicht auch die trockene Mitnahme von Taschen/Rücksäcken, sogar der „Fifi“ kann bei Bedarf mitfahren.

Derzeit ist ein längerer Zwischenhalt auf freier Strecke aus technischen Gründen nicht möglich, aber das ist auch eigentlich nicht nötig, denn die gesamte Trasse bietet herrliche Ausblicke und will entdeckt werden. Der parallel zur Trasse geführte Wanderweg ermöglicht dann anschließend die Erkundung per pedes, um etwa das 135 Meter lange Vöckelsbacher Viadukt zu bestaunen. Alle vier Viadukte, sowie die zwei Tunnel, sind nun wieder in einem tadellosen Zustand. Diese waren auch einst ein Grund zur Betriebseinstellung, weil seit den 1970er Jahren kein Geld mehr für die Infrastruktur ausgegeben wurde. Eine Besonderheit im Draisinenverkehr sind zwei mit Blinklichtanlagen gesicherte Bahnübergänge, schließlich wiegt eine Draisine ohne Beladung zwischen 1.200 kg (ohne Ausspurvorrichtung) und 1.600 kg (mit Ausspurvorrichtung) und Bedarf einer gesicherten Fahrt über die Straßenkreuzung. Die technisch ausgereiften Fahrzeuge sind aus den Baujahren 2009 bis 2013 und verfügen über mehrere Sicherungseinrichtungen, etwa gegen das unbeabsichtigte Losrollen im Gefälle. Sollte mal ein Fahrzeug liegen bleiben, steht ein Unimog zur Bergung bereit.

Sichern Sie sich noch dieses Jahr (Saison von April bis Oktober) eine Fahrt mit der Solardraisine Überwaldbahn und werden Sie Fan der Solardraisine auf Facebook - es lohnt sich!

Bilder und Text: Dennis Köthur

Streckenkarte:

Galerien

Bilder der Anlage aus Sommer 2018:

Weitere Aufnahmen der Überwaldbahntrasse:

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