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Ostheide-Elbe-Bahn

Eisenbahnstrecke Nr. 1963 im Wendland, zwischen Uelzen und Dannenberg über Zernien

Für den Frachtverkehr gibt es auch weiterhin Bedarf einer Eisenbahn im Wendland, insbesondere wenn der Wiederaufbau der Elbbrücke bei Dömitz gelingt. Also wie einst vor dem Krieg – denn seit 1945 ist diese wichtige Ost/West-Verbindung nach Wittenberge unterbrochen. Seitdem ist zum Beispiel der Eilzug von Uelzen nach Rostock auf der Trasse passé.
Bis zur Güterverkehrseinstellung gegen 1994 wurde umfangreich landwirtschaftliches Frachtgut, insbesondere Kartoffeln zum großen Zentrallager in Pudripp oder Rüben der Genossenschaften transportiert. Aber auch Munition, denn die Luftmunitionsanstalt Dannenberg in Neu Tramm hatte ein Anschlussgleis vom Bahnhof Karwitz. In der Güterwagenstatistik vom Bahnhof Uelzen zählte diese Strecke einst zum Spitzenreiter.

Der ab den 1960er Jahren sinkende Schienenpersonenverkehr verlangte eine Angebotsumstellung auf den Omnibus, was ab Mai 1974 gänzlich erfolgte. Dabei war der Schülerverkehr so umfangreich, daß gleich mehrere Omnibusse gleichzeitig nach Uelzen fahren mussten. Demographischer Wandel und der im Gegenzug wachsende Individualverkehr stehen auch zukünftig einer regulären Personenverkehrsreaktivierung eher entgegen, aber für eine Museums- bzw. Tourismusbahn oder gar einer Nutzung als Draisinenstrecke gäbe es durchaus Möglichkeiten einer Reaktivierung.

Der 2009 gegründete Verein „Ostheide-Elbe-Bahn e.V.“ zeigt mit zahlreichen Sonderfahrten oder Ausstellungen die Alternativen auf. Die beiden Anliegergemeinden Weste und Oetzen sind daran allerdings nicht interessiert, weshalb die Trasse angekauft und die Gleisanlagen im Auftrag der Kommunen ab Februar 2018 demontiert wurden. Nicht für einen Radweg, der hier sowieso nicht sinnvoll wäre, sondern für die Umwandlung der Trasse in Bauland oder landwirtschaftliche Nutzfläche. Gegen letzteres spricht allerdings, daß die Naturschutzbehörde eine Entfernung der Schwellen wegen geschützter Tierarten untersagt hat. Wenigstens die Stadt Uelzen steht der Strecke wohlwollend gegenüber, da für ein geplantes Gewerbegebiet die Reststrecke ggf. als Industriestammgleis genutzt werden könnte. Zernien und Dannenberg sehen eine Erhaltung eher als touristische Attraktion, z. B. in Form einer Draisinenstrecke.

Für Aufregung sorgte einst auch der letzte Zug am 08. Mai 1996 auf der Strecke: ein Castortransport. Das animierte zahlreiche Atomkraftgegner dazu, die Trasse zu beschädigen, indem teilweise Bahnschwellen entfernt wurden oder sogar mit viel Aufwand einzelne Gleisstücke entnommen wurden. Ansonsten ist die gesamte Bahntrasse in einem tadellosen Zustand, mit überwiegend soliden Betonschwellen und relativ neuem Gleismaterial, aus der Sanierung in den 1980er Jahren.

Anbei Bilder vom ersten Streckenablauf mit Johannes Töpler im Februar 2018, kurz vor der Gleisdemontage — von Zernien nach Oetzen.

Bilder und Text: Dennis Köthur

Streckenkarte:

Bildergalerie:

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